Flucht aus dem College!

„Au.. so ein Mist!“ erklang es leise fluchend. Es war mitten in der Nacht und das fluchen kam von einem blondhaarigem Mädchen das sich nun auf einem Bein hüpfend ihren rechten Fuß festhielt um den Schmerz weg zu reiben. Im nächsten Moment jedoch hielt sie sich die Hand vor den Mund und lauschte in die nächtliche Stille.

Sarah wartete eine gefühlte Ewigkeit die nicht länger als 30 Sekunden andauerte, dann griff sie im Dunkeln nach ihren Stiefeln und schlüpfte auf ihren Socken so lautlos wie möglich aus dem Zimmer heraus. Ihren Koffer hatte sie wohlweislich im ersten Stock stehen lassen und ihn nur deshalb mit hoch genommen um nicht schon vorher irgendwelches Aufsehen zu erregen. Es wäre auch zu verdächtig gewesen wenn sie den Koffer unten in der Eingangshalle hätte stehen lassen. Umso mehr kam ihr die Information dieser Lilly entgegen das die Mädchen alle nicht im College sondern zu Hause oder außerhalb nächtigen würden. Eine bessere Möglichkeit um zu türmen konnte es gar nicht geben, wer wusste denn was am nächsten Tag passieren würde?

Langsam schlich sie im Dunkeln die Treppe hinunter und tastete sich Schritt für Schritt langsam vor. Die Stille wurde ab und an durch leises Fiepen von unten unterbrochen und Sarah verspürte jedes Mal Gänsehaut im Nacken. Sie hasste Ratten! Überhaupt war ihr jegliches Insektenzeug zuwider, der Gedanke daran trieb sie schneller vorwärts.

Die erste Treppe war geschafft! Sarah befand sich nun im ersten Stockwerk und tastete sich an dem Klassenzimmer vorbei, dem Raum in welchem sie einige Stunden zuvor ihren Einstand „gefeiert“ hatte. Bei dem Gedanken daran wanderten ihre Hände fast automatisch nach hinten zu ihrem Po. Sie spürte zwar überhaupt nichts mehr, aber die Erinnerung hatte sich fühlbar in ihr Gedächtnis eingebrannt. Wie sie da überm Knie lag, wie eine kleine ungezogene Göre…  ein ganz unbekanntes Gefühl entbrannte in ihr, jedoch nur für den Bruchteil einer Sekunde, dann nahm der Stolz Sarahs wieder Oberhand und erstickte das minimale Aufflammen von etwas das dem Mädchen völlig unbekannt war.

Sie wandte sich weiter nach links und schlich den Gang weiter. Noch immer war im ganzen Gebäude kein weiteres Geräusch zu schließen das darauf schließen ließ das sich Sarah nicht allein im College befand. Fast aufatmend nahm sie die zweite Treppe zum Erdgeschoss hinunter. Gleich hätte sie es geschafft! Gleich hatte sie ihren Koffer und wenn das stimmte das die Schlösser kaputt waren, dann würde sie in ein paar Minuten aus dem College heraus sein, auf dem Weg in die Freiheit!

Erleichtert umfassten ihre Finger den Griff des Koffers, nur noch durch die Tür und sie war draußen. Ihre Finger tasteten nach dem Türgriff, drückten ihn herunter… und nichts geschah. Sarah war es als hätte jemand einen Eimer Eiswasser über geschüttet, stocksteif stand sie vor der verschlossenen Eingangstür. Sie versuchte es nochmals und rüttelte nun am Türgriff, die Tür jedoch blieb zu!

„Oh nein… das darf doch wohl nicht wahr sein? Ich will hier raus!“ Hektisch sah sie sich um… halt… das Bistro! Hatte Lily nicht gesagt man könne auch durch das Bistro raus? Schnell war Sarah durch die Eingangshalle durch, ihren Koffer im Schlepptau, und öffnete die Tür zum Bistro. Wenigstens die Tür war offen!

Die Erkenntnis ließ sie vergessen das sie sich leise verhalten wollte um von niemandem entdeckt zu werden, so erleichtert war sie das sie es wenigstens bis dahin geschafft hatte. Ihre Augen suchten in dem spärlichen Licht den Raum ab und frohlockte dann innerlich. Zur einen Seite hin war das Bistro tatsächlich offen, von hier aus konnte sie ungesehen auf die Straße gelangen! Es blieb nur noch eines zu tun bevor sie die Biege machte…

Mit ein paar Schritten war Sarah um die Theke herum und machte sich am Kühlschrank zu schaffen. Die Sachen die sie dort fand häufte sie erst mal auf der Theke auf. Verpackte Würstchen, Brot, Käse.. Ketchup und Senf konnte man auch gut gebrauchen… und Süßes erst Recht! Die Sachen wurden alle im Koffer verstaut, den Platz dafür schuf Sarah schnell. Mit einem breiten Grinsen zog sie ihre Schuluniform aus Ravenhorst aus ihrem Koffer und packte die Sachen stattdessen in den Kühlschrank vom Bistro. Bei dem Gedanken daran das die Mädchen morgen früh nicht ihre Frühstücksutensilien sondern eine alte Schuluniform vorfinden würden fing Sarah leise an zu kichern. Dann nahm sie Ihren Koffer, sah sich nochmals kurz um und trat in die rabenschwarze Nacht hinaus, nicht ahnend das sie beobachtet wurde.

Ein breites Grinsen überzog nun ihr Gesicht.. zu schade das sie die Gesichter von ihren Mitschülerinnen nicht sehen konnte! Vor allem das von Liliths die eine Überraschung erleben würde falls sie wieder im College übernachten sollte. Durch einen Zufall hatte Sarah entdeckt das die Betten Namensschilder trugen. Für einen kurzen Moment hatte sie es bedauert ihren letzten Vorrat an Juckpulver so zu verwenden, dieser befand sich nun wohlverwahrt auf Liliths Bettlaken.

Stunden später, morgens kurz vor 6 Uhr.

Nach ihrer nächtlichen Flucht befand sich Sarah mittlerweile außerhalb der Stadt und versuchte einen Weg abseits der befahrenen Straße zu finden. Die Sonne war bereits dabei aufzugehen und sie war sich sicher das man spätestens in ein paar Stunden nach ihr suchen würde. Je eher sie sich unsichtbar machte, umso besser!

Ein lautes Geräusch von quietschenden Bremsen ließ Sarah herum fahren.

„Na guten Morgen Frolleinchen, so früh schon unterwegs und dann mit so einem großen Koffer? Ist der nicht ’nen bisschen zu schwer für Dich, wo willst denn hin?“

Etwas verblüfft sah Sarah an dem LKW entlang bevor ihre Augen an der Fahrerkabine hängen blieben aus dem ein Kopf aus dem Fenster sah.

„Also ich muss nach Blackburn rauf… paar Fässer an die Kneipen ausliefern. Kann Dich ein Stück mitnehmen, wir haben ja wohl dieselbe Richtung.“

Ein Zigarrenstummel landete neben Sarahs Stiefeln, dann zog sich der Kopf zurück und eine Tür klappte auf. Im nächsten Moment gab es einen dumpfen Aufschlag als der LKW-Fahrer von seinem Fahrersitz auf die Straße sprang, dann den LKW vorne umrundete und nun in seiner ganzen Pracht vor Sarah stand.

„Ja also.. ich…. ich weiß nicht… „ etwas eingeschüchtert stand Sarah vor dieser hünenhaften Gestalt von einem LKW-Fahrer und wenn sie nun eines nicht mehr war, dann selbstsicher.

„Na was denn… willst‘ e mitfahren oder nicht?  Bis Blackburn sind‘ s gute 2 Stunden rauf… na komm, her mit dem Koffer und rauf mit Dir auf den Bock.. oder willst‘ e Dir lieber Blasen holen?“

Kurzerhand nahm ihr der Mann den Koffer aus der Hand und verstaute den hinterm Führerhaus, dann packte er das Mädchen und schob sie kurzerhand mit seinen Pranken auf den rechten Beifahrersitz des LKWs und knallte dann die Tür zu. Gleich darauf sprang er selbst auf der Fahrerseite wieder rein, drehte den Zündschlüssel und trat aufs Gas.

„Na Mädel.. so ist das doch viel besser. Wie heißte überhaupt? Kannst mich Horst nennen, so heiße ich seit 43 Jahren!“

Ein bärbeißiges raues Lachen erklang und schallte in Sarahs Ohren wieder.

„Bist nicht die redseligste, wie? Aber keine Sorge mein Täubchen… das wird noch… das wird noch…  Sobald ich in Blackburn meine Fracht abgeliefert habe …“

Er vollendete den Satz nicht sondern warf dem Mädchen neben ihm stattdessen anzügliches Grinsen zu welches Sarah entging da sie angestrengt aus dem rechten Fenster sah.

Langsam dämmerte ihr das hier gerade etwas ganz gewaltig schief lief. Himmel, wo hatte sie sich hier nur hinein gebracht? Aus einem verhassten College fliehen war das eine, doch das hier, das überstieg gerade die komplette Vorstellungskraft des Mädchens. Wie kam sie eigentlich von der Straße nun in diesen LKW?? Und vor allem… wie kam sie hier nun wieder heraus?

Fieberhaft begann sie nachzudenken während der Fahrer neben ihr weiter redete und sich die nächste Zigarre anzündete. Erst jetzt stieg ihr der starke Zigarrengeruch gepaart mit Biergestank in die Nase. Oh Gott… konnte das etwa noch schlimmer kommen??

„Eigentlich find ich’s ganz jut das De nicht so viel quatschst“ kam es von links… „gibt ja auch schönere Sachen als quatschen… nich mein Täubchen?“

Langsam schob sich seine rechte Pranke nach links und kam auf dem Oberschenkel von Sarah zu liegen.

Stocksteif und voller Entsetzen wagte Sarah einen Blick nach unten und vergaß im ersten Moment vor lauter Schreck das Atmen. Das hier war kein Streich mehr… sie fühlte instinktiv das sie sich in höchster Gefahr befand und sie vielleicht nur eine Chance hatte hier heil wieder raus zu kommen.

So naiv Sarah in einigen Dingen auch sein mochte, trotz ihrer jungen 18 Jahre war sie klug genug um zu wissen das es besser war den Kerl erst mal im Glauben zu lassen das sie sein Spielchen mitspielen würde. Zumindest solange der LKW fuhr und sie eine Fluchtmöglichkeit sah. Im Geiste sah sie sich schon irgendwo ermordet in einem Straßengraben liegen, ihrer jungen Unschuld beraubt… heilloses Entsetzen packte das Mädchen innerlich. Nein, das konnte und durfte sie nicht geschehen lassen! Fast wünschte sie sich wieder zurück ins College das wenigstens in der Hinsicht Sicherheit bot.

Langsam drehte sie den Kopf zu dem stinkenden LKW-Fahrer der sich Horst nannte und zwang sich dazu ein nettes Gesicht aufzusetzen.

„Horst, wie lange sind wir denn bis nach Blackburn unterwegs?“

Sarahs Stimme hatte vor lauter Angst den Klang einer „Kleinmädchenstimme“ angenommen.

„Naa… so 2 Stunden werden‘ s wohl schon sein… muss sehen das ich pünktlich um halb 9 dort bin. Die Wirte da oben sind wahre Halsabschneider, kommst‘ e 5 Minuten zu spät kürzen sie schon den Lohn!“

„Ach, das machen die echt?“

Sahra heuchelte Interesse. Ihre Gedanken wurden nur noch beherrscht von einem Satz… lass ihn reden… halt ihn am reden… solange er redet kommt er nicht auf Idee irgendwo hier anzuhalten…

„Na und ob die das machen! Ist doch heute gang und gebe… Davon weißt Du noch nicht soviel was? Übrigens.. wie alt bist‘ n Du überhaupt? Irgendwie siehst Du aus als kommst‘ e gerade aus ’ner Schule?“

Die Hand entfernte sich von Sarahs Bein, stattdessen traf sie ein prüfender Blick von links.

„Ich? Ich bin 18… und auf dem Weg zu .. zu meiner Tante. Die lebt in der Nähe von Blackburn und hat da einen Bauernhof…“

„So.. ne Tante, was? Und da fährst‘ e nun hin und hilfst mit? Bist aber ein gutes Kind das Du so was machst, andere in Deinem Alter interessieren sich doch nur für Jungs und für die Disco!“

Horst gab ein erneutes Lachen von sich, behielt aber nun beide Hände am Steuer denn die Straße wurde langsam kurvenreicher.

„Naja….“ Sarah log ohne mit der Wimper zu zucken…

„sie ist krank geworden, hat sich das Bein gebrochen und deshalb braucht sie nun Hilfe. Und deshalb fahre ich nun hin, hab aber den Bus verpasst und der nächste wär erst heute Abend gegangen, also dachte ich, den Weg schaffe ich auch zu Fuß.“

Sarah hielt einen Moment inne…

„Aber zum Glück bist Du ja gekommen und hast mich mitgenommen!“

Sie zwang sich zu einem Lächeln.

Insgeheim war sie heilfroh darüber das die Straße nun soviel von seiner Aufmerksamkeit einforderte um nicht mit einem Baum zu kollidieren oder über die nächste Kurve hinaus zu fahren. Die Fahrt war für Sarah das reinste Spießrutenlaufen und trieben ihr ständig neue Schweißperlen auf die Stirn.

Nach X Kurven und einer scheinbar unendlich langen Fahrt kam auf einmal eine Tankstelle in Sichtweite. Das war die Chance auf die Sarah nur gewartet hatte!

„Horst.. würde es Dir etwas ausmachen an der Tankstelle einen kurzen Stopp einzulegen?“ Ein kokettes Lächeln flog über Sarahs Gesicht… „ich muss mal für kleine Mädchen und was anderes anziehen würde ich auch ganz gerne.“ Für einen Moment sah sie auf ihre Kleider herunter und überlegte fieberhaft ob sie sich das nun trauen sollte… gab sich dann aber einen Ruck.

„Weißt Du, wenn Du die Fässer nachher abgeliefert hast… ich möchte doch hübsch für Dich sein!“ Sahra hauchte den letzten Satz und hoffte ihn so verführerisch wie möglich klingen zu lassen damit er ihre wahren Gedanken nicht erahnen konnte.

Insgeheim verfolgte sie nur einen Gedanken… raus hier… so schnell wie möglich… egal ob mit oder ohne Koffer, Hauptsache weg!

„Na sicher mein Täubchen! Die Zeit hab ich zwar nicht aber wenn Du keine halbe Stunde brauchst…. Du kannst so schön bitten mein kleines Vögelchen… ich glaube mit Dir werde ich später noch jede Menge Spaß haben!“

Erneut ertönte das bärbeißige Lachen, so laut das es in den Ohren des Mädchens nur noch so dröhnte.

Der LKW bog um die nächste Kurve und verlangsamte seine Fahrt, die Tankstelle war nun direkt vor ihnen und wie Sarah erkennen konnte waren da auch schon andere Fahrer eingetroffen um ihre Benzinvorräte aufzufüllen oder sich einen Kaffee zu besorgen. Langsam fuhr Horst auf den Tankstellenplatz und brachte den LKW zum stehen.

„So Täubchen… warte ich helfe Dir raus!“… sprach‘ s und sprang mit einem Satz aus dem LKW. Im nächsten Moment öffnete Horst die rechte Beifahrertür und Sarah sah sich gezwungen sich notgedrungen von Horst auf die Erde helfen zu lassen.

„Äh.,. meinen Koffer brauche ich aber auch bitte…“ ein entzückendes Lächeln traf die Augen von Horst… „Ich möchte mich doch umziehen und etwas hübscheres aus dem Koffer raus suchen, extra für Dich!“

Sarah setzte einen koketten Augenaufschlag hinterher der auch bei ihrem Vater immer die gewohnte Wirkung hinterließ wenn er sie mal wieder bestrafen wollte. Und zu ihrem Glück schien das auch bei diesem Horst voll anzuschlagen.

Mit einer einzigen Bewegung hob er ihren Koffer hinten heraus und reichte ihn ihr.

„Na dann beeil Dich aber… ich  muss eh tanken und hol mir n‘ en Kaffee, bis dahin wirst Du wohl fertig sein, nicht wahr?“

„Ich verspreche es… bis gleich Horst!“ flötete Sarah und ergriff ihren Koffer um sich auf den Weg zu den sanitären Örtlichkeiten zu machen. Jedoch dachte sie erst gar nicht daran dort überhaupt anzukommen.

Noch im Umdrehen versuchte sie mit ihren Augen die Lage zu erfassen. Die Tankstelle befand sich links von ihr, die Toiletten laut einem Schild rechts an der Seite… umso besser! Dahinter war alles dichter Wald. Mit dem Koffer in der Hand ging Sarah auf die Tankstelle zu und wandte sich nach rechts….war im nächsten Moment außer Sichtweite und rannte mit dem Koffer in der Hand los. An den Toiletten vorbei und durch die Bäume und Gestrüpp geradewegs in den Wald hinein.

Mit jedem Schritt wog der Koffer schwerer und schwerer doch Sarah blieb nicht stehen. Froh von diesem Horst entflohen zu sein trieb sie nun nur noch ein Gedanke vorwärts… weg, soweit weg wie möglich! Hätte sie in diesem Moment die Wahl gehabt, sie wäre sogar wieder zurück  ins College gegangen. Alles, nur nicht wieder diesem stinkenden Widerling in die Hände zu fallen. Noch immer spürte sie die Hand auf ihrem nackten Oberschenkel… obwohl weiter nichts geschehen war fühlte sie sich beschmutzt und erniedrigt und das war ein Gefühl was Sarah so überhaupt noch nicht kannte. Und es machte ihr Angst.

Irgendwann hörte das Gestrüpp auf einmal auf und vor Sarah befand sich ein Waldweg. Etwas unschlüssig stand sie nun allein im Wald und überlegte sich welche Richtung sie wohl nehmen sollte und wandte sich nach rechts. Auf dem Waldweg ließ sich der Koffer nun auch leichter ziehen. Allerdings ahnte Sarah nicht das sie noch ein paar Stunden unterwegs sein würde und erst recht ahnte sie nicht wohin sie dieser Weg führen würde…

 

Fortsetzung folgt… im passwortschützten Bereich 🙂

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